Archive for 'Folklore'

German Christmas tale: Der Weihnachtsstern (pt. 1)

Posted on 21. Dec, 2012 by in Culture, Current Events, Folklore, Holidays, Language, Literature, People, Traditions

It’s only four days to Christmas and maybe some of you are full of Christmas stress. I’d like to invite you to calm down a little bit by listening to a Christmas tale, of course, in German. The tale is about the star of Bethlehem and the idea what Christmas should really be: a time to be there for one another and help those who are not in a happy position.

 

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Der Weihnachtsstern

“Ottar ist so dumm”, sagten die andern Schulkinder. In jeder Schule muss es natürlich einen Dümmsten geben – hier war es Ottar. Er war ziemlich neu, ein kleiner Kerl aus der Stadt, den die Mutter in dieser vortrefflichen Gegend bei ebenso vortrefflichen Leuten untergebracht hatte, als sie krank wurde. Sie musste in ein Krankenhaus und konnte sich deshalb nicht um ihn kümmern. Er hatte keinen Vater – das war durchgesickert.

Die Lehrerin hörte eines Tages in der Schule die Äußerung, dass Ottar so dumm sei.

Einige Schüler der dritten Klasse standen in der Pause beisammen und waren viel, viel klüger; fanden sie wenigstens.

Da bekam die Lehrerin plötzlich die tiefe Furche zwischen den Augenbrauen, und hinter dem Kneifer blitzte es scharf. “Still, Kinder!” sagte sie. “Ich bin nicht sicher, ob nicht Ottar einer der Klügsten von euch allen ist. Er ist nur anders. Marsch, weiter! Nicht herumstehen und den neuen Kameraden verleumden!”

Es war kurz vor dem Fest. Überall in den Häusern begann es nach Weihnachten zu riechen und zu schmecken, in allen Ecken wurde geflüstert, Koffer und Schränke wurden abgeschlossen. Und alle Kinder waren ganz, ganz brav. Der Weihnachtsbaum war aus dem Wald geholt worden und stand duftend da, bis er zum strahlenden Mittelpunkt geschmückt werden sollte.

In der Schule erzählte die Lehrerin am letzten Tag vor den Weihnachtsferien von dem Kindlein, das in einem Stall geboren und in eine Krippe gelegt wurde, von den Hirten, die ihre Schafe hüteten und sahen, wie sich der sternübersäte Himmel öffnete. Engel erschienen und sangen. Sie erzählte auch von den drei weisen Männern aus dem Osten, die einen großen, glänzenden Stern erblickt hatten und ihm auf seiner Wanderung gefolgt waren, bis er über dem niedrigen kleinen Stall in einem fremden Land stehengeblieben.

Ottar vergaß ganz und gar, wo er war, denn als die Lehrerin die Erzählung beendet hatte, stand er auf und ging zu ihr hin, obwohl es mitten in der Unterrichtsstunde war. Sie trug an einer goldenen Kette um den Hals ein kleines Goldkreuz, an dem er zu fingern begann und fragte: “Bist du sicher, dass das alles wahr ist?” – “Ja, natürlich.”

“Das mit dem Stern auch? Da haben sie wohl in der Nacht wandern und am Tage schlafen müssen?”

“Ja, wahrscheinlich.”

Die andern fingen zu kichern an, denn es war nicht gebräuchlich, sich in dieser Gegend so zu benehmen. Sie pflegten in der Schule stillzusitzen und keine unnötigen Fragen zu stellen oder gar am Goldkreuz der Lehrerin zu fingern. Sie fand aber, dass er es tun konnte, denn sie untersagte das Kichern, während Ottar auf seinen Platz zurückging – verlegen und errötend. In Langset schmückte der Vater selbst den Christbaum, er war schon eine endlose Zeit allein im Zimmer drinnen, während die Mutter sich mit dem Weihnachtsmahl beschäftigte und alle Kinder die Ohren spitzten und warteten.

“Du kriegst auch etwas”, sagten sie zu Ottar. “Hab nur keine Angst.” Ottar lächelte; sie waren heute so lieb – er aber wartete auf etwas ganz Bestimmtes. Er wartete auf einen Brief von seiner Mutter, denn seit dem letzten war es schon lange her. Und in dem Brief würde sicher stehen, dass sie viel wohler war und bald nach Hause kommen durfte. Sie musste ihm doch zu Weihnachten schreiben, dessen war er ganz sicher. Der Brief würde bald kommen. Er hatte gar nichts dagegen, nach einem oder ein paar Armvoll Holz hinausgeschickt zu werden, denn dabei konnte er nach dem Postboten Ausschau halten.

Der Brief war aber schon gestern gekommen; Ottar wusste es nur nicht. Er kam nicht von der Mutter selbst, nein. Und nun hatten sich Leute in Langset dahin geeinigt, dass es Zeit genug sei, wenn der Junge nach dem Fest von dem Brief erführe. Dann allerdings müsste es anders werden, denn Ottars Mutter hatte für den Jungen nur bis Weihnachten bezahlt. Und es war wohl kaum anzunehmen, dass sie etwas hinterließ, womit die weitere Bezahlung erfolgen konnte. Jetzt sollte er aber die Weihnachtstage bei ihnen feiern – sie waren ja keine Unmenschen.

So allein er auch da draußen mit seinem Holz in der Dämmerung über den Hof ging – in Wirklichkeit war er noch viel einsamer, als er wusste. Denn im Krankenhaus war seine Mutter kurz vor Weihnachten gestorben.

Viel Holz trug er nicht auf einmal herein, aber die Arme waren vollbeladen, und der Schnee biss in die blaugefrorenen Finger, die das Holz umklammerten. Er musste bestimmt die Handschuhe anziehen. Als er am Fenster vorbeiging, sah er den Weihnachtsbaum, um den der Vater beschäftigt war; er hielt feine Glaskugeln und gute Kuchenmänner in den Händen – es war bestimmt unerlaubt, ihm zuzusehen, weshalb Ottar gewissenhaft den Blick abwandte.

Da – plötzlich sah er den Stern. Droben zwischen den Wolken kam ein großer goldener Stern am blassblauen Himmel dahergesegelt. Ottar ging es wie ein Stoß durch den ganzen Körper. Er blieb still stehen und umklammerte die Holzscheite; das Herz klopfte, dass es ihm beinahe die Kehle zuschnürte. Konnte es wirklich wahr sein, konnte das…? Jetzt war er hinter den Wolken verschwunden, aber im nächsten Augenblick war er wie durch einen Schleier wieder sichtbar; langsam glitt er dort oben seine Bahn entlang. Das konnte nichts anderes sein als der Weihnachtsstern! Der Stern der Weisen, der damals im Osten entzündet worden war und über das Himmelszelt wanderte. Da war er wieder” Denn die gewöhnlichen Sterne standen doch still. Außer wenn manchmal einer als Sternschnuppe herunterfiel.

Leise rieselt der Schnee – The snow is fluttering softly?

Posted on 20. Dec, 2012 by in Culture, Current Events, Folklore, Holidays, Music

It was only last week that I had severe difficulties to get my car from the parking space in front of my house – that high was the snow. After I had tried it a couple of times, I decided to leave the car behind and walk instead. But walking wasn’t easy either. Have you ever tried to cross a street after the snow had been pushed to the side of the road? It is simply impossible to do this without bogging down with ones shoes. Anyway, after my last week’s experiences I was convinced that we will have a white Christmas in Germany this year, but apparently this was a wrong conclusion.

Some days ago the German landscape still looked like a winter wonderland. Trees, meadows, and rooftops were covered with snow, children could sleight, have snowball fights, or build snowmen. Meanwhile, these days are over. The snow has almost completely melted and the landscape reminds me of the season of spring, it is only the coldness that assures me that it is wintertime.

Unfortunately, I cannot control the weather but I really wish for some snow for Christmas, so that I can sing along to this very popular German Christmas song: Leise rieselt der Schnee (lit. The snow is fluttering softly). Meanwhile, the snow is not fluttering softly anymore. All I can hear now are the raindrops that hit against my window pane but maybe the rain will turn into snow again, in the next days!?

As written above, Leise rieselt der Schnee is one of the most popular German Christmas songs. The version you can listen to here is by Frank Schöbel und Auroara Lacasa who (together with their children) released an LP with Christmas songs in 1985. This album was very popular among citizens of the former GDR and there is hardly any person of my age who does not know this LP. Although this record is almost 30 years old I still love to listen to the songs, especially to Leise rieselt der Schnee.

 

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Leise rieselt der Schnee  (lit. The snow is fluttering softly)

Leise rieselt der Schnee

The snow is fluttering softly

Still und starr ruht der See

The lake lies still and frozen

Weihnachtlich glänzet der Wald

The forest glitters festive

Freue dich Christkind kommt bald

Be happy, Christ Child is coming soon

 

In den Herzen ist’s warm

The hearts are warm

Still schweigt Kummer und Harm

Sorrow and grief remain silent

Sorge des Lebens verhallt

Sorrow of life fades away

Freue dich Christkind kommt bald

Be happy, Christ Child is coming soon

 

Bald ist heilige Nacht

Holy night will come soon

Chor der Engel erwacht

The choir of angels awakes

Hört nur wie lieblich es schallt

Listen, how lovely it sounds

Freue dich Christkind kommt bald

Be happy, Christ Child is coming soon

Der Maibaum (maypole)

Posted on 19. May, 2012 by in Culture, Current Events, Folklore, People, Traditions

Today I want to introduce a German tradition to you, that takes place in May. I´m talking about the so called Maibaum (maypole).

A Maibaum is a decorated tree or at least stock of tree that is usually aufgerichtet (erected) on May the 1st. In some regions it is already put up on the eve of May the 1st. Mostly it is combined with a traditional celebration on the Dorfplatz (village square). First of all in Baden-Württemberg, Bayern (Bavaria) and Österreich (Austria).
The tradition is widespread in many regions in Central and Northern Europe. But in Skandinavien (Scandinavia) it normally takes place in Mittsommer (midsummer). In Switzerland they don´t have the tradition of the Maibaum.

Maibaum in the south of Germany, decorated with emblems and a collar.   

The tree

Maypoles are normally big decorated trees that are put up on a central place in a village or town at a feastful Veranstaltung (event). Depending on the region, or even the village, the decoration of the tree could be totally different.
Either a new tree is chopped down every year, or the same trunk is being used for a couple of years and only the “Krone” (crown) gets a new decoration. In Ostfriesland for example, the trunk is stored under water and fetched again for May.
Normally the people peel the trunks and decorate them with colorful Girlanden (festoons), fir sprigs or crepe paper.
On the upper end, the tree is normally crowned with a Kranz (collar) and the green tree top. The trees have a height of 20 – 25 m. But sometimes they reach even 50 m. Depending on the local tradition, the maypoles stay until the end of the month or until autumn.

Der Liebesmaien

Beside the big maypoles, there is also the tradition of so called “Liebesmaien” or “Maien”. These are smaller trees, mostly Birken (birch trees), that are put up by single men. They install the tree at the houses of their girlfriends (or their wannabes) to show them their love. The answer is normally a crate of beer or a dinner. At least if the answer is positive. But here again, the traditions are different from region to region. In my region for example they say, if you put up a “Maien” three years for the same girl, you have to marry her. I did it two times when I was young :-)

After all I think the Maibaum is a nice tradition and it´s nice to tour around the villages and have a look at the different trees.

Do you have something like the Maibaum in your country or region as well? It would be nice to learn about similar traditions! Tell us by using the comment field.

Some vocabulary to this post:
Der Maibaum – maypole
aufrichten – to erect
Der Dorfplatz – village square
Bayern – Bavaria
Österreich – Austria
Skandinavien – Scandinavia
der Mittsommer – midsummer
die Veranstaltung – event
die Krone – crown
die Girlande – festoon
der Kranz – collar
die Birke – birch trees