German poetry (Friedrich Schiller): Die Bürgschaft – The Hostage

Posted on 10. Sep, 2012 by in Culture, Language, Literature

Here is another German poem: “Die Bürgschaft” (The Hostage) by Friedrich Schiller. This time I added German subtitles to the video, so that you can read along while listening to it.

 

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Die Bürgschaft / The Hostage

 

1.

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich

Damon, den Dolch im Gewande:

Ihn schlugen die Häscher in Bande,

“Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!”

Entgegnet ihm finster der Wüterich.

“Die Stadt vom Tyrannen befreien!”

“Das sollst du am Kreuze bereuen.”

The tyrant Dionys to seek,

Stern Moeruswith his poniard crept;

The watchful guard upon him swept;

The grim king marked his changeless cheek:

“What wouldst thou with thy poinard? Speak!”

“The city from the tyrant free!”

“The death-cross shall thy guerdon be.”

2.

“Ich bin”, spricht jener, “zu sterben bereit

Und bitte nicht um mein Leben:

Doch willst du Gnade mir geben,

Ich flehe dich um drei Tage Zeit,

Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;

Ich lasse den Freund dir als Bürgen,

Ihn magst du, entrinn’ ich, erwürgen.”

“I am prepared for death, nor pray,”

Replied that haughty man, “to live;

Enough, if thou one grace wilt give

For three brief suns the death delay

To wed my sister – leagues away;

I boast one friend whose life for mine,

If I should fail the cross, is thine.”

3.

Da lächelt der König mit arger List

Und spricht nach kurzem Bedenken:

“Drei Tage will ich dir schenken;

Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,

Eh’ du zurück mir gegeben bist,

So muss er statt deiner erblassen,

Doch dir ist die Strafe erlassen.”

The tyrant mused, – and smiled, – and said

With gloomy craft, “So let it be;

Three days I will vouchsafe to thee.

But mark – if, when the time be sped,

Thou fail’st – thy surety dies instead.

His life shall buy shine own release;

Thy guilt atoned, my wrath shall cease.”

4.

Und er kommt zum Freunde: “Der König gebeut,

Dass ich am Kreuz mit dem Leben

Bezahle das frevelnde Streben.

Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,

Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;

So bleib du dem König zum Pfande,

Bis ich komme zu lösen die Bande.”

He sought his friend – “The king’s decree

Ordains my life the cross upon

Shall pay the deed I would have done;

Yet grants three days’ delay to me,

My sister’s marriage-rites to see;

If thou, the hostage, wilt remain

Till I – set free – return again!”

5.

Und schweigend umarmt ihn der treue Freund

Und liefert sich aus dem Tyrannen;

Der andere ziehet von dannen.

Und ehe das dritte Morgenrot scheint,

Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,

Eilt heim mit sorgender Seele,

Damit er die Frist nicht verfehle.

His friend embraced – No word he said.,

But silent to the tyrant strode -

The other went upon his road.

Ere the third sun in heaven was red,

The rite was o’er, the sister wed;

And back, with anxious heart unquailing,

He hastes to hold the pledge unfailing.

6.

Da gießt unendlicher Regen herab,

Von den Bergen stürzen die Quellen,

Und die Bäche, die Ströme schwellen.

Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,

Da reißet die Brücke der Strudel herab,

Und donnernd sprengen die Wogen

Des Gewölbes krachenden Bogen.

Down the great rains unending bore,

Down from the hills the torrents rushed,

In one broad stream the brooklets gushed

The wanderer halts beside the shore,

The bridge was swept the tides before -

The shattered arches o’er and under

Went the tumultuous waves in thunder.

7.

Und trostlos irrt er an Ufers Rand:

Wie weit er auch spähet und blicket

Und die Stimme, die rufende, schicket.

Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,

Der ihn setze an das gewünschte Land,

Kein Schiffer lenket die Fähre,

Und der wilde Strom wird zum Meere.

Dismayed he takes his idle stand -

Dismayed, he strays and shouts around,

His voice awakes no answering sound.

No boat will leave the sheltering strand,

To bear him to the wished-for land;

No boatman will Death’s pilot be,

The wild stream gathers to a sea!

8.

Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,

Die Hände zum Zeus erhoben:

“O hemme des Stromes Toben!

Es eilen die Stunden, im Mittag steht

Die Sonne, und wenn sie niedergeht

Und ich kann die Stadt nicht erreichen,

So muss der Freund mir erbleichen.”

Sunk by the banks, awhile he weeps,

Then raised his arms to Jove, and cried,

“Stay thou, oh stay the maddening tide,

Midway behold the swift sun sweeps,

And, ere he sinks adown the deeps,

If I should fail, his beams will see

My friend’s last anguish – slain for me!

9.

Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,

Und Welle auf Welle zerrinnet,

Und Stunde an Stunde entrinnet.

Da treibt ihn die Angst, da fasst er sich Mut

Und wirft sich hinein in die brausende Flut

Und teilt mit gewaltigen Armen

Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.

More fierce it runs, more broad it flows,

And wave on wave succeeds and dies

And hour on hour remorseless tries,

Despair at last to daring grows -

Amidst the flood his form he throws,

With vigorous arms the roaring waves

Cleaves – and a God that pities, saves.

10.

Und gewinnt das Ufer und eilet fort

Und danket dem rettenden Gotte;

Da stürzet die raubende Rotte

Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,

Den Pfad ihm sperrend, und schnaubet Mord

Und hemmet des Wanderers Eile

Mit drohend geschwungener Keule.

He wins the bank – he scours the strand?

He thanks the God in breathless prayer;

When from the forest’s gloomy lair,

With ragged club in ruthless hand,

And breathing murder – rushed the band

That find, in woods, their savage den,

And savage prey in wandering men.

11.

“Was wollt ihr?” ruft er vor Schrecken bleich,

“Ich habe nichts als mein Leben,

Das muss ich dem Könige geben!”

Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:

“Um des Freundes willen erbarmet euch!”

Und drei mit gewaltigen Streichen

Erlegt er, die andern entweichen.

“What,” cried he, pale with generous fear;

“What think to gain ye by the strife?

All I bear with me is my life -

I take it to the king!” – and here

He snatched the club from him most near:

And thrice he smote, and thrice his blows

Dealt death – before him fly the foes!

12.

Und die Sonne versendet glühenden Brand,

Und von der unendlichen Mühe

Ermattet sinken die Kniee.

“O hast du mich gnädig aus Räubershand,

Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,

Und soll hier verschmachtend verderben,

Und der Freund mir, der liebende, sterben!”

The sun is glowing as a brand;

And faint before the parching heat,

The strength forsakes the feeble feet:

“Thou hast saved me from the robbers’ hand,

Through wild floods given the blessed land;

And shall the weak limbs fail me now?

And he! – Divine one, nerve me, thou!

13.

Und horch! da sprudelt es silberhell,

Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,

Und stille hält er, zu lauschen;

Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,

Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,

Und freudig bückt er sich nieder

Und erfrischet die brennenden Glieder.

Hark! like some gracious murmur by,

Babbles low music, silver-clear -

The wanderer holds his breath to hear;

And from the rock, before his eye,

Laughs forth the spring delightedly;

Now the sweet waves he bends him o’er,

And the sweet waves his strength restore.

14.

Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün

Und malt auf den glänzenden Matten

Der Bäume gigantische Schatten;

Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn,

Will eilenden Laufes vorüber fliehn,

Da hört er die Worte sie sagen:

“Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen.”

Through the green boughs the sun gleams dying,

O’er fields that drink the rosy beam,

The trees’ huge shadows giant seem.

Two strangers on the road are hieing;

And as they fleet beside him are flying

These muttered words his ear dismay:

“Now – now the cross has claimed its prey!”

15.

Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß,

Ihn jagen der Sorge Qualen;

Da schimmern in Abendrots Strahlen

Von ferne die Zinnen von Syrakus,

Und entgegen kommt ihm Philostratus,

Des Hauses redlicher Hüter,

Der erkennet entsetzt den Gebieter:

Despair his winged path pursues,

The anxious terrors hound him on -

There, reddening in the evening sun,

From far, the domes of Syracuse! -

When towards him comes Philostratus

(His leaf and trusty herdsman he),

And to the master bends his knee.

16.

“Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,

So rette das eigene Leben!

Den Tod erleidet er eben.

Von Stunde zu Stunde gewartet’ er

Mit hoffender Seele der Wiederkehr,

Ihm konnte den mutigen Glauben

Der Hohn des Tyrannen nicht rauben.”

“Back – thou canst aid thy friend no more.

The niggard time already down -

His life is forfeit – save shine own!

Hour after hour in hope he bore,

Nor might his soul its faith give o’er;

Nor could the tyrant’s scorn deriding,

Steal from that faith one thought confiding!”

17.

“Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht,

Ein Retter, willkommen erscheinen,

So soll mich der Tod ihm vereinen.

Des rühme der blut’ge Tyrann sich nicht,

Dass der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,

Er schlachte der Opfer zweie

Und glaube an Liebe und Treue!”

“Too late! what horror hast thou spoken!

Vain life, since it cannot requite him!

But death with me can yet unite him;

No boast the tyrant’s scorn shall make -

How friend to friend can faith forsake.

But from the double death shall know,

That truth and love yet live below!”

18.

Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor,

Und sieht das Kreuz schon erhöhet,

Das die Menge gaffend umstehet;

An dem Seile schon zieht man den Freund empor,

Da zertrennt er gewaltig den dichter Chor:

“Mich, Henker”, ruft er, “erwürget!

Da bin ich, für den er gebürget!”

The sun sinks down – the gate’s in view,

The cross looms dismal on the ground -

The eager crowd gape murmuring round.

His friend is bound the cross unto….

Crowd – guards – all bursts he breathless through:

“Me! Doomsman, me!” he shouts, “alone!

His life is rescued – lo, mine own!”

19.

Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,

In den Armen liegen sich beide

Und weinen vor Schmerzen und Freude.

Da sieht man kein Augen tränenleer,

Und zum Könige bringt man die Wundermär';

Der fühlt ein menschliches Rühren,

Lässt schnell vor den Thron sie führen,

Amazement seized the circling ring!

Linked in each other’s arms the pair -

Weeping for joy – yet anguish there!

Moist every eye that gazed; – they bring

The wondrous tidings to the king -

His breast man’s heart at last hath known,

And the friends stand before his throne.

20.

Und blicket sie lange verwundert an.

Drauf spricht er: “Es ist euch gelungen,

Ihr habt das Herz mir bezwungen;

Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn -

So nehmet auch mich zum Genossen an:

Ich sei, gewährt mir die Bitte,

In eurem Bunde der Dritte!”

Long silent, he, and wondering long,

Gazed on the pair – “In peace depart,

Victors, ye have subdued my heart!

Truth is no dream! – its power is strong.

Give grace to him who owns his wrong!

‘Tis mine your suppliant now to be,

Ah, let the band of love – be three!”

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About Sandra

Hello everybody! I studied English and American Studies, Communication Science, and Political Science at the University of Greifswald. Since I have been learning English as a second language myself for almost 20 years now I know how difficult it is to learn a language other than your native one. Thus, I am always willing to keep my explanations about German grammar comprehensible and short. Further, I am inclined to encourage you to speak German in every situation. Regards, Sandra

2 Responses to “German poetry (Friedrich Schiller): Die Bürgschaft – The Hostage”

  1. Ivan 11 September 2012 at 5:57 am #

    Sandra,
    I love your voice!!!

  2. Cecille Sobie 30 November 2012 at 5:26 pm #

    I’m glad to become a visitor in this pure web site, regards for this rare info!


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